Weihnachten, äh, worum ging es noch gleich?

15. Dezember 2018 / 19:41
by Anna

Category: Zeitgeist

Tags:

Neulich bin ich mal wieder in die Frankfurter Innenstadt gefahren, was sonst sehr selten passiert. Ich dachte mir so: Nach dem ein oder anderen Geschenk suchen und Erledigungen machen muss doch auch ohne den DHL-Mann funktionieren. Schließlich soll man ja auch den Einzelhandel unterstützen.

Auf dem Weg dorthin hörte ich Radio. Ein Weihnachtslied reihte sich an das andere, gerne untermalt mit den obligatorischen Schellen im Hintergrund oder auch im Vordergrund. Dazu regelmäßige Werbejingles. Ebenfalls untermalt mit dem Geschelle der Schellen. Dann die ganz dringende Aufforderung noch dies und das und jenes zu kaufen, da sonst Weihnachten nicht stattfinden kann oder gar ruiniert ist.

In der Stadt sah ich Menschen im Konsumrausch. Volle Tüten, volle Geschäfte, überall Menschenmassen, jede Menge Weihnachtslieder und -deko, die das Einkaufen untermalten, um die Menschen in Stimmung zu bringen. Leute, Weihnachten steht vor der Tür. Kauft jetzt endlich ein, sonst werdet ihr nicht glücklich. Viele Geschäfte warben (kurz nach dem sogenannten Black Friday) auch immer noch mit Rabatten. Kauf doch endlich, schrie es mir aufdringlich entgegen, an jeder Ecke. Aber mir war schon bald nicht mehr danach, meine Liste durchzuarbeiten. In den Geschäften habe ich kaum gefunden, was ich suchte. Ich wurde durch die Gänge geschoben, was mich nervte. Die VerkäuferInnen waren schon beim Nachfragen sehr angestrengt, was ich ihnen auch fast nicht verübeln kann. An der Kasse spielte sich auch eine unfreundliche Szene ab. Ein älterer Mann mit Karo-Hemd und Jack-Wolfskin-Jacke bäffte die Verkäuferin an, warum es dieses eine Produkt, das er im Prospekt gesehen hat, nicht mehr mit Rabatt gibt. Ojemine. Kann man ja auch etwas netter fragen. Weihnachten, Fest der Liebe und so …

Wieder Zuhause – am Stadt- und Waldrand – angekommen, war ich fix und fertig und hatte zudem kaum was erledigt. Ich war außerdem richtig betrübt, denn mir ist während dieses Ausflugs klar geworden, dass das Besinnliche bzw. der Sinn von Weihnachten im Advents-Alltag so richtig verloren bzw. untergeht. Dieser fürchterliche Konsumdruck. Ehrlich: Ich finde es einfach nur schrecklich.

Spulen wir doch mal zurück und fragen uns, warum wir Weihnachten feiern. Genau, Jesus, Gottes Sohn, wurde in einem Stall geboren, um später die ganzen Sünden der Menschheit auf sich zu nehmen. Daran möchte ich an Weihnachten denken und ich fände es so schön, wenn diese große Geste im Vordergrund stehen würde und nicht die amerikanisierte Karikatur, die vom Weihnachtsfest rumgeistert.

Haltet mich ruhig für spießig und verbiestert. Ja, das mag ich bestimmt ein Stück weit sein. Aber, wer mich kennt weiß, dass ich meine (sicherlich auch strengen) Prinzipien habe. Meinen Kindern erkläre ich immer wieder, worum es eigentlich an Weihnachten vorrangig geht, nämlich nicht um das Aufreißen von Geschenken. Mir – und übrigens auch meiner besseren Hälfte – ist es wichtig, immer wieder die Geschichte von Marias und Josefs Weg, von der Geburt, den Heiligen Drei Königen und auch von Herodes zu erzählen und zu erklären, warum es diesen und jenen Brauch an Weihnachten eigentlich gibt. Und sich daran zu erinnern ist wirklich schön.

Natürlich haben wir an Weihnachten unsere Rituale und Traditionen und das Schenken ist auch schön. Aber es ist uns nicht wichtig, die größten und dollsten Geschenke unter`m Baum zu haben und uns Wochen vorher deswegen verrückt zu machen. Ich kann für meinen Teil sagen, dass es (traditionell) viele selbstgemachte Sachen gibt, oder auch Mitbringsel aus zum Beispiel London neulich. Da ich weiß, dass die Verwandtschaft mitliest, gehe ich aber nicht weiter ins Detail.

Und es ist wirklich schön, im Advent und an Weihnachten schöne Momente mit Freunden und der Familie zu haben. Letzte Woche war ich mit zwei Freundinnen in einem Weihnachtskonzert, was einfach klasse war. Dann laden/luden wir zum Essen bei uns ein oder zum Brunchen. Es macht Spaß mit meinem Mann zu kochen und alles vorzubereiten. Es ist schön mit meinen Kindern die Musik vom Nussknacker zu hören und dabei Weihnachtsbilder zu malen oder Plätzchen zu backen (auch wenn es danach aussieht wie im Schweinestall). Es ist wunderbar, das Handy auszuschalten und in die Schublade zu legen, jeden, den man kennt, eine Weihnachtskarte zu schreiben und zu zeigen, dass man ihn oder sie schätzt. Jawohl, das ist alles ziemlich unspektakulär, aber ehrlich, dafür bin ich trotzdem ziemlich dankbar. Daran möchte ich die ganze Zeit erinnert werden.