England-Guide: zu Besuch bei Winston Churchill

12. November 2019 / 9:49
by Anna

Category: England

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In den letzten Jahren haben meine Familie und ich während unserer (mittlerweile unzähligen) England-Reisen dutzende Sehenswürdigkeiten besichtigt. Seit diesem Jahr sind wir nun Mitglieder des National Trust, einer gemeinnützige Organisation, die sich seit dem 19. Jahrhundert der Denkmalpflege und dem Naturschutz annimmt und dabei hunderte historische Gebäude, Industriebauwerke, Gärten und Landschaftsgebiete betreut.

Seit Jahren stand Chartwell auf unserer National Trust-Liste und in diesem Jahr lag der einstige Landsitz des früheren Premierministers Winston Churchill endlich auf einer unserer Routen. Es ist unglaublich faszinierend, durch das Haus zu gehen, die unzähligen Original-Gegenstände des berüchtigten Staatsmannes zu sehen, darunter seine Hüte, seinen Schreibtisch und seine Orden. Es wirkt fast so, als würde er noch immer in dem Gemäuer wohnen. Wenn man sich vor Augen hält, wie viele berühmte Reden in seinem Arbeitszimmer verfasst wurden und welche politischen Persönlichkeiten in dem roten Backsteinhaus zu Gast waren, erstarrt man beinahe vor Ehrfurcht.

Churchill, aus wohlhabender Familie stammend, erwarb das Haus 1922, kurz nachdem seine Tochter Marigold und seine Mutter verstarben und er seinen Sitz im schottischen Parlament verlor. Die Umbauarbeiten zogen sich in die Länge und wurden um ein Vielfaches teurer, als geplant. Das Geld wurde knapp und der Erhalt von Chartwell sollte viele Jahre auf Messers schneide stehen. Chartwell war bis zu seinem Tod in Familienbesitz. Seine Frau Clementine vermachte es direkt nach dem Ableben ihres Mannes dem National Trust.

Wie bei englischen Landsitzen üblich, ist das Areal riesig. Ein großer, üppiger Park mit den schönsten Blumen ist dort ebenso zu finden wie weitläufige Wiesen und Wälder und sogar ein kleiner Weiher. Neben dem Haupthaus gibt es auch ein „Nebengebäude“, in dem Churchill, ein passionierter Maler war er ja auch, sein Atelier untergebracht hat und noch heute viele seiner Bilder zu sehen sind.

Das Haus ist sehr verwinkelt, es gibt unzählige repräsentative Räume, Schlafzimmer, Esszimmer, Ankleidezimmer, Andenkenzimmer, Arbeitszimmer. Es ist für mich immer wieder unvorstellbar, wie eine Familie so viel Raum zum Leben ausfüllen konnte und mit wie viel Aufwand es verbunden war, ein so großes Anwesen zu bewirtschaften und am Laufen zu halten. Mal ganz davon abgesehen, was das alles gekostet haben muss. Es gibt daher nicht wenige Familien, die irgendwann an dieser Aufgabe gescheitert sind. Viele dieser Anwesen habe ich besucht, viele dieser Anwesen werden von Organisationen wie dem National Trust gepflegt.

Ich empfehle allen Geschichtsinteressierten, einmal Chartwell zu besuchen. Es ist wie eine Zeitreise und als ob man live beim Geschichtsschreiben dabei ist.