2020: Ich hege keinen Groll, im Gegenteil.

31. Dezember 2020 / 15:03
by Admin

Category: Zeitgeist

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Zu den Rauhnächten, über die ich im vorherigen Artikel geschrieben habe, gehört es ja auch, einmal bewusst Bilanz zu ziehen. Aber auch abseits aller Rauhnacht-Rituale lassen wir Menschen das fast abgeschlossene Jahr gerne einmal vor dem geistigen Auge Revue passieren und überlegen, was denn gut und was weniger gut war, aber auch, was man sich für das neue Jahr vornimmt.

Bisher habe ich meine Website nicht unbedingt dafür genutzt, sozusagen öffentlich Bilanz zu ziehen. Doch dieses Jahr war anders, daher ist es sicherlich in Ordnung, es heute einmal zu tun.

„Was war gut?“ Mein erstes Buch wurde – trotz der Pandemie – fertig und veröffentlicht.

Die Corona-Krise hat mir persönlich einmal mehr gezeigt, worauf ich mich konzentrieren sollte, was und worin meine Prioritäten liegen und wie wichtig und richtig es ist, bewusst dankbar zu sein. Meine Familie und ich haben dieses Jahr gut rum bekommen. Es ist natürlich – vorsichtig ausgedrückt – ungewohnt, auf einmal einen komplett heruntergefahrenen Alltag zu leben oder Dinge, die früher ganz normal und selbstverständlich waren, auf einmal nicht mehr tun zu dürfen. Es ist nicht schön, dass mein Nachwuchs viele Monate in diesem Jahr nicht zum Sport durfte und noch immer nicht darf. Dass er seine Freunde, Trainer und Teamkollegen nicht mehr sehen darf. Es war auch im ersten Moment eine Enttäuschung, als wir sämtliche Urlaube (England, Österreich) abgesagt oder verschoben haben. Mein Leitspruch dazu: Solange das die einzigen Opfer sind, die wir bringen müssen, ist das doch vollkommen in Ordnung. Wir halten uns brav an die aktuellen Regeln und haben dabei das große Ganze im Blick.

Trotzdem haben wir festgestellt, dass sich nicht alle – auch in unserem Umfeld – daran halten oder es einfach satt haben. Es war und ist ebenso irritierend zu erkennen, dass es vermehrt Menschen gibt, die das alles lächerlich finden oder Verschwörungstheorien nicht abgeneigt sind. Auch fremde Leute, die mir noch im November in der Innenstadt begegnet sind, haben sich einfach nicht an die Regeln der Gemeinschaft gehalten und sind zum Beispiel – trotz Maskenpflicht – ohne ebendiese durch die entsprechenden Zonen gelaufen. Ich hege gegen diese Leute aber eigentlich keinen Groll. Sie tun mir leid und ich wünsche ihnen von Herzen Ein- und Weitsicht. Ich wünsche auch den Menschen, die mir selbst in einer Kurve im Wald beim Vorbeigehen viel zu nahe kommen, obwohl genug Platz ist eines: Einsicht. Oder den Leuten, die mir an der Supermarktkasse fast im Rücken stehen, oder oder oder.

„Was war gut?“ Neue Freunde gefunden.

Was mich dieses Jahr außerdem gelehrt hat ist, noch bewusster dankbar zu sein für die eigene Gesundheit und die der Familie und Freunde, dem Dach über dem Kopf, der politischen Stabilität, der funktionierenden Infrastruktur, dem vollen Kühlschrank und dem warmen Wasser, das jeden Morgen aus dem Duschkopf kommt. Man stelle sich nur einmal vor was wäre, wenn diese Dinge nicht mehr da wären!

„Was war gut?“ Ausflüge in die Umgebung

Und kann man aus einer Pandemie auch etwas Gutes ziehen (abseits von Existenzängsten, plötzlicher Armut, Erkrankung oder sogar Todesfällen)? Das Leben ist eine Spur ruhiger geworden. Aber ist das so schlimm? Auch der Flugverkehr und -lärm – und das merkt jeder, der in einer Einflugschneise lebt – ist so drastisch zurückgegangen, dass ich beinahe hoffe, dass es nie wieder so wird wie früher. Viele Menschen haben wieder einen Sinn für die Natur entdeckt und für`s Sporttreiben im Freien (und nicht Fitnessstudio). Das ist doch super! Und auch Kleinigkeiten, die früher selbstverständlich waren, haben wieder mehr Wertschätzung erfahren. Ich persönlich habe mich riesig gefreut, als wir einen Ausflug zur Burg Frankenstein gemacht haben oder ich im August mit meiner Schulfreundin, die ich ein Jahr lang nicht gesehen habe, im Café saß.

„Was war gut?“ Zeit am fast leeren Strand: unbezahlbar
„War war gut?“ Viel Zeit bei den Damen verbracht.
Amsterdam war noch nie so leer.

Auch unser kurzer Urlaub in Holland war klasse und für den Tapetenwechsel bin ich sehr dankbar. Ja, Reisen ist kein Menschenrecht (und dieser unsägliche Massentourismus war und ist eh eines, nämlich furchtbar), gerade in einer Pandemie. Umso mehr weiß ich diese paar Tage sehr zu schätzen.

Meine Freundin Katharina hat bei Instagram eine ganz tolle tägliche Rubrik die da lautet: „Was war heute gut?“ So macht sie sich – trotz aller omnipräsenten Negativität – jeden Tag bewusst, was trotzdem positiv war.

Nun frage ich mich selbst:
Was war denn dieses Jahr richtig gut? Worüber habe ich mich gefreut?

„Was war gut?“ Die hier zu essen.

Hier meine spontane Top 5:
Abgesehen davon, dass wir gesund sind war richtig gut,
• dass ich endlich essbare Auberginen im eigenen Garten gezogen habe,
• dass ich plötzlich und unerwartet zum ersten Mal überhaupt (traurig, aber wahr) eine Sternschnuppe gesehen habe (am 22. August um 22 Uhr abends),
• dass ich richtig viele Bücher gelesen habe über allerlei Thematiken, in die ich schon lange tiefer einsteigen wollte (zum Beispiel sämtliche Bücher von Ian Mortimer, Peter Wohlleben, Jan Becker, sowie diverse Fachliteratur über unter anderem Astronomie, Kräuterkunde und Mineralien) und dementsprechend richtig viel gelernt habe,
• dass ich es trotz der Pandemie geschafft habe, mein erstes Buch fertigzustellen und zu veröffentlichen und
• dass meine Familie und ich ein tolles gemeinsames Hobby gefunden haben.

„Was war/ist gut?“ Sogar etwas Materielles: mein Teleskop!

Und wo ich hier gerade so am Tippen bin merke ich, dass es noch viel mehr gibt.

Was ich mit diesem Artikel aber allgemein zum Ausdruck bringen möchte ist, dass man aus allem Schlechten im Jahr 2020 auch etwas Gutes ziehen kann. Man muss halt genau hingucken. Man sollte immer lachen, wenn es zum Heulen nicht reicht. Und wenn man der Krise mit Anstand und Würde begegnet, dann geht es einem selbst auch gleich viel besser damit. Positive Leitsätze helfen. Denn die Sache ist ja die: Es ist, wie es ist. Wir als Gesellschaft müssen da durch. Ob wir das wütend und mit Ignoranz machen, oder mit Fokussiertheit und Vernunft. Wenn wir uns für das „oder“ entscheiden, geht es vielleicht schneller wieder zurück zur Normalität. Wobei ich hoffe, dass das alte Normal so in der Form nicht zurück kehrt.

Vielleicht ist diese Pandemie sogar eine echte und nachhaltige Chance, unsere ökonomischen (zum Beispiel ein gerechtes weltweites Wirtschaftssystem), ökologischen (zum Beispiel etwas wirklich Wirkungsvolles gegen den Klimawandel und die Umweltzerstörungen machen) und gesellschaftlichen Probleme (zum Beispiel Menschen in systemrelevanten Berufen angemessen zu entlohnen) und Absurditäten (zum Beispiel während der Elternzeit auf Weltreise zu gehen und damit auf Kosten der Gesellschaft) grundlegend anzugehen beziehungsweise diese Punkte wieder in Balance zu bringen. Ich hoffe die Pandemie ist eine Lektion, die wir nun wirklich und wahrhaftig lernen und verinnerlichen.

So, und nun freue ich mich, dass es voraussichtlich am heutigen, regnerischen Silvesterabend endlich einmal nicht knallt, der Hund nicht verrückt spielt, die Luft nicht bis zum nächsten Tag verraucht ist und kein Dreck für die nächsten Wochen auf der Straße liegt, weil die Verursacher ihn nicht wegkehren. Seht ihr, man muss immer das Gute aus allem ziehen. In diesem Sinne: Ein frohes, sinnerfülltes, gesundes neues Jahr 2021 für uns alle!