Kopfsalat: Man denkt, was man denkt.

10. Juli 2017 / 11:56
by Anna

Category: Zeitgeist

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Neulich habe ich mit einer alten Freundin bei Facebook wild über damals gequatert und Links unserer Lieblingsbands ausgetauscht. Weißte noch damals… Was waren wir frisch, knackig, beeinflussbar und grün hinter den Ohren. Wir hatten so viel Spaß und haben die unglaublichsten Sachen, Situationen und Menschen erlebt (ich schreibe dieses Buch noch fertig). Trotzdem, Nostalgie und gute Erinnerungen beiseite geschoben, bin ich dennoch echt froh, nicht mehr so jung zu sein. Na gut, ich hätte gerne die körperliche Verfassung meines zwanzigjährigen Ichs, aber dafür die Erkenntnisse, die ich nun mit Anfang Dreißig habe.

Neulich ist ein mir nahestehender Verwandter im mittlerem, dennoch viel zu jungem Alter verstorben. Bums, Aus, Ende. Einfach tot umgefallen. Ein Schock. Mir ist in dem Moment die Endlichkeit unseres Seins wieder einmal ins Blickfeld gerückt und das Bewusstsein darüber, dass der Körper nun langsam aber sicher wieder verwelkt und irgendwann nicht mehr funktionieren wird. Die Sanduhr läuft. Wie viel Zeit habe ich noch und wie möchte ich diese verbringen und wer möchte ich eigentlich sein?

Insbesondere nachdem ich die Dreißig überschritten habe, ist mir klar geworden, dass ich in meinen Zwanzigern (kostbare) Zeit verschwendet habe und permanent mutlos war. Mutlos, beispielsweise viel eher meinen fürchterlichen Job zu kündigen, meinem Chef zu sagen dass er ein perverser Psychopath ist und mein eigenes berufliches Ding durchzuziehen. Ich habe mich von allen Seiten ständig zu jedem erdenklichen Thema belabern und beeinflussen lassen, anstatt auf meine innere Stimme zu hören und mich zu fragen, was ich eigentlich für richtig halte und was ich eigentlich möchte.

Wie Du willst dich selbstständig machen? Wie Du willst heiraten? Wie Du willst einen Auslandskunstkurs besuchen? Wie Du willst Dir die Haare abschneiden? Wie Du willst Dir diese Handtasche kaufen? Wie Du willst nicht zu der Feier gehen? Wie Du willst einen Blog schreiben, wie wirkt das denn auf andere? Wie Ihr wollt ohne die Kinder verreisen? Wie wie wie, bla bla bla bla.

Ich wollte es, meiner Unsicherheit geschuldet, ständig allen Menschen um mich herum recht machen, nichts falsch machen und hatte ziemlich wenig Rückrad. Letztendlich habe ich es viele Jahre vielen Menschen recht gemacht, gemacht, was man von mir erwartet hat, war aber innerlich mega mega frustriert, sauer, wütend – vor allem auf mich selbst.

Der Schlüsselmoment war bei mir tatsächlich der 30. Geburtstag. Die eigene Endlichkeit habe ich seitdem jeden Tag im Blick. Rückblickend habe ich schon ziemlich viele Punkte von der Liste mit Dingen, die ich erreichen möchte, abgehakt. Familienplanung, Wohnsituation, Berufliches. Mir geht es aber nun darum, auf meine innere Stimme zu hören, mutig zu sein und Entscheidungen zu treffen, die andere meinetwegen nicht gut finden, frei nach dem Motto: So denke ich nun mal und ich werde mich nicht mehr dafür entschuldigen. Meine Zeit ist verdammt noch mal begrenzt und die möchte ich so verbringen, dass es mir endlich gut damit geht. Basta.

Warum wusste ich das nicht schon früher? Warum kann man die Zeit nicht zurück drehen und einige Dinge anders machen. Mich nervt dieses System des Lebens.

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