Berlin-Guide: Ach „dudu“ Schande

22. August 2015 / 11:57
by Anna

Category: Berlin

In wohl jeder größeren Metropole gibt es das angesagte Szene-Restaurant oder die In-Bar, in das jeder will und das im wahrsten Sinne des Wortes in aller Munde ist. Was Berlin betrifft: wer was auf sich hält, geht in die Torstraße ins dudu. Angeblich waren schon George Clooney und Tom Hanks zu Gast. Aus marketingtechnischen Gründen natürlich der totale Hammer. Über das dudu laß ich in diversen Magazinen (Bunte, InStyle) und Büchern (Der Berliner Stil). Und da meine liebe Freundin Mitra im dudu ihre Werke ausgestellt hat, war es vor einiger Zeit natürlich unumgänglich, mit allen Berliner Freunden diese Ausstellung dort zu feiern.

Mein erster „Besuch“ im dudu war während der Juli-Fashion Week, weil ich als Kurier meiner Künstlerfreundin etwas beim Geschäftsführer Nam abgegeben habe. Einen Tisch während der Fashion Week zu bekommen erwies sich übrigens als recht schwierig. Schon zwei Wochen vorher war für den besagten Dienstag alles dicht, sodass ich mit meinen Berliner Leuten gegenüber ins Fam. Dang gegangen bin. Kein schöner oder stylisher Laden, aber das Essen war der HAMMER! Ich glaube ich habe noch nie so gelungene Erdnusssoße und leckeres Tofu gegessen…

Jedenfalls war ich wenige Wochen nach der Fashion Week wieder in Berlin und ein Tisch für ein gutes Dutzend Leute wurde rechtzeitig reserviert. Da es mega heiß war, konnten wir draußen sitzen. Eine rustikale Tafel mit reduzierter, schöner Deko. Ich achte schon auf Details und war auch positiv überrascht von der gesamten Aufmachung, von der Gestaltung der Speisekarte bis zu den Laternen. Einziges Manko: Die vielbefahrende Torstraße war gefühlte fünf Meter von unserem Tisch entfernt.

Die umfangreiche Speisekarte bietet asiatische Crossoverküche – vom Sushi bis zu extravaganten Salaten, aber auch deftigere Gerichte, Garküchenstyle. Ich entschied mich für Avocado-Sushi und einen Tofu-Salat. Gehört hatte ich schon vorher, dass die Sushi soo toll sein sollen. Ehrlich gesagt: Hätte ich das Sushi mit verbunden Augen gegessen und nicht gewusst, wo ich gerade sitze, hätte ich es als durschnittlich à la „vom Sushi-Laden-an-der-Ecke“ kategorisiert. Der Salat war sehr chic dekoriert. Und auch die Nachbarteller sahen sehr schön aus. Das Auge isst ja mit. Der Salat und das Dressing waren auch wirklich in Ordnung. Kann man nicht meckern. Die Preise im dudu sind auch nicht unverschämt, aber heraussragend war das Essen nun wirklich nicht.

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Zum Service: typisch für Berlin – leider ziemlich mies

Der Berliner Service wird seinem Ruf mal wieder gerecht: unterirdisch. Unsere Kellnerin, eine Mitzwanzigerin mit langen Beinen, langen Haaren und einer schmalen Taille, hatte ein hübsches Gesicht, aber leider schlechte Laune und auch noch ihren Kopf vergessen. Zum einen hat sie meiner Tischnachbarin dreimal das falsche Getränk geliefert. Das allein ist schon echt `ne Kunst. Dann bat eine andere Freundin darum, ihr Gemüse ohne Reis serviert zu bekommen, da sie aus gesundheitlichen Gründen auf bestimmte Lebensmittel (wie zum Beispiel Reis) verzichten muss. Daraufhin fing die Kellernerin doch tatsächlich an mit ihr zu diskutieren – in einem unmöglichen Ton. „Das schmeckt aber nur mit Reis“ giftete sie. Meine Freundin versicherte aber, dass ihr das egal ist. Es ging hin und her und irgendwann akzeptierte besagte Kellnerin den Wunsch. Übrigens hat es ewig gedauert, bis das Essen endlich kam.

Im Allgemeinen ließ die Freundlichkeit sehr zu wünschen übrig. Vielleicht war die Kellernin aber auch schlicht und einfach überfordert? An diesem Abend war die Hölle los. Die Menschenmassen strömten in die ehemalige Seifenfabrik, alle quetschten sich an die Tische, es war laut, eng, heiß. Da kann man vielleicht schon mal den Kopf und die Freundlichkeit verlieren, auch wenn man es nicht sollte. Jeder hat doch seinen Job ordentlich zu erledigen.

Die Gäste waren natürlich so stylisch wie das hübsch dekorierte Essen. Hipster wie sie im Buche stehen. Celine-Taschen und Louboutins, sehen und gesehen werden. Interessant zu beobachten. Ich komme trotzdem nicht umhin mich zu fragen, WARUM zum Henker das dudu so angesagt ist?

Die Aufmachung: wirklich nett, habe ich aber schon tausend mal woanders und besser gesehen.
Das Essen: Wirklich okay, aber herausragend? Nee, ganz bestimmt nicht! Das Sushi im Zenzakan in Frankfurt ist dagegen wirklich raffiniert, außergewöhnlich, weltklasse.
Service: ohne Worte

Ja, es ist mir schleierhaft. So sieht Hype aus. Aber wer weiß wie es in ein paar Jahren aussieht? Vielleicht stürzen sich die Leuten dann auf einen anderen Bezirk und ein anderes Restaurant, weil sich George Clooney vielleicht überlegt hat, mal in Spandau essen zu gehen? Wir wissen es nicht. Aber ich bin gespannt. Jedenfalls hat das dudu expandiert mit dem dudu 31. Wer anspruchsvolle Küche und guten Service ohne Hipster und Hype möchte, muss allerdings woanders suchen.

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Foto zur Verfügung gestellt von: Dudu / Steve Herud

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