Zeitgeist: Über After-Baby-Bodys

29. August 2015 / 6:32
by Anna

Category: Lifestyle

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Wenn mich eine Promi-Frau seit geraumer Zeit fasziniert, dann ist es wohl Kate Middleton. Sie ist wie eine perfekte dunkelhaarige Barbie, die einfach immer top gestylt und mega dünn ist, immer das Richtige tut und von allen geliebt wird. Dazu noch zwei süße Kinder, einen Mann als Prinzen und immer die perfekte Garderobe. Und dann noch diese Disziplin! Bis kurz vor der Entbindung von Baby Charlotte war die Duchess noch im Namen der britischen Krone unterwegs, immer schön lächelnd und winkend. Sie ist fast so hart im Nehmen wie die Queen herself! Was für bemerkenswerte Frauen. Aber am meisten hat mich eine bestimmte Meisterleistung von Kate sprachlos gemacht…

Keine zehn Stunden nach der Geburt ihres zweiten Kindes im Mai diesen Jahres tritt Kate im geblümten Kleidchen, Highheels, frisch frisierten Haaren, einem strahlend sonnengebräunten Teint und einem kaum vorhandenen Nachgeburts-Bäuchlein vor die wartende Presse, immer schön lächelnd und winkend. Ich habe damals die Bilder bei Spiegel Online gesehen und war von ihrer Erscheinung einfach nur platt und wirklich beeindruckt. Wow wow wow. Sie sah aus, als wolle sie zu einer Cocktailparty. Dass sie vor wenigen Stunden noch schreiend, schwitzend und womöglich wimmernd in den Wehen lag (okay, die Frau wimmert bestimmt nicht) sah man ihr nicht an. Ein Auftritt, als ob nichts gewesen sei.

Nun habe ich selbst vor wenigen Wochen meinen zweiten Nachwuchs bekommen und mich unweigerlich kurz nach der Geburt gefragt, ob Frauen wie Kate Middleton in der heutigen Zeit das neue Maß der Dinge sind und ob solche Frauen die richtigen Vorbilder für uns Normalos sind? Ich finde nein! Zehn Stunden danach wäre ich echt nicht in der Lage gewesen, mich so wie Kate Middleton zu präsentieren. Dass die gute Frau überhaupt auf ihren Highheels stehen konnte und sich in ein kurzes Kleidchen gewagt hat?! Hat sie denn nicht auch die üblichen körperlichen Nachwirkungen einer Geburt? (Jede Mutter weiß an dieser Stelle, was ich meine.)

Solche Auftritte sagen doch den normalen Frauen, dass sie sich nicht so anzustellen haben. Es ist doch nur eine Schwangerschaft / Geburt und keine Krankheit. Wer während der neun Monate nicht so viel Schokolade in sich reinschaufelt und gehen lässt, der wird auch nicht fett…

Sobald man die Zeitungen aufschlägt (auch in Tageszeitungen) oder in (seriösen) Online-Medien schaut, wird es einem unter die Nase gerieben: man kann kurz nach einer Schwangerschaft aussehen, als wäre nie etwas gewesen. Hilaria Baldwin („unglaublicher After-Baby-Body), Michelle Hunziker („Sie zeigt ihre After-Baby-Kurven), Heidi Klum. Boah, mir macht das Angst.

Ich wüsste nicht, wie ich wenige Wochen nach einer Geburt so aussehen könnte. Ich habe während der letzten Schwangerschaft sieben Kilo zugenommen – eigentlich nicht viel, trotzdem schwabbelt der Bauch natürlich (Hautüberschuss) und ich habe Cellulite an den Beinen, alles ist außer Form und weit entfernt vom Schönheitsideal und Größe 36. Aber wie soll ich das auch wegtrainieren, wenn ich ein Kindergartenkind und einen Säugling zu bespaßen habe, zudem einen Haushalt, einen Job und wenig Schlaf habe? Trotz Stillen und gesunder Ernährung, trotz Spazierengehen mit der Familie, Familienausflüge ins Schwimmbad und Fahrradfahren, werden die After-Baby-Pfunde noch lange an mir kleben bleiben. Zeit und vor allem Power für tägliches Training habe ich weiß Gott wirklich nicht. Abends auf Kohlehydrate verzichten und Schokolade weglassen? Das machen meine Nerven nicht mit. Ich brauche Energie, und die bekomme ich nun mal nicht, wenn ich nur Fisch und Hühnchen esse.

Dieser Schönheitswahn, meine Güte, als ob wir keine wichtigeren Themen und Dinge in unserer Gesellschaft zu besprechen hätten… wichtig ist doch im Prinzip nur, dass es allen und insbesondere dem Nachwuchs gut geht und man seine Zeit ihm und nicht der Figur widmet. Amen.

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